Zeitmessung von Omega

Olympische Spiele Paris 2024

Juli 2024. Die gemeinsame Geschichte der Olympischen Spiele und Omega reicht inzwischen schon 92 Jahre zurück. Der offizielle Zeitmesser, hinter dem seit 1972 eine Tochterfirma der Swatch Group namens Swiss Timing steht, bietet dem Sportverband dabei eine TV-fertige Komplettlösung an.
Omega Seamaster
Omega lanciert mit einem Sondermodell der Seamaster 300M ein Souvenir für Olympia-Besucher.

Bevor Omega als offizieller Zeitmesser verpflichtet wurde, waren die Kampfrichter bei Olympia mit ihren eigenen Stoppuhren von verschiedenen Uhrenmarken vor Ort. Dementsprechend unterschieden sie sich auch in ihrer Präzision und Funktionalität. Um der daraus entstehenden Messungenauigkeit entgegenzutreten, wurde 1932 mit Omega eine Uhrenmarke ausgewählt, die mit auf die Zehntelsekunde genauen Taschenuhr-Chronographen sehr genaue Stoppuhren im Angebot hatte.

Etwa 30 Chronographen und ein Uhrmacher machten sich damals auf den Weg nach Los Angeles und sorgten für faire Verhältnisse für Sportler und verlässlichere Rekordzeiten. Das war die Grundlage für die folgenden Jahrzehnte voller Neuentwicklungen in der Sportzeitmessung.

UMSTIEG AUF ELEKTRONISCHE MESSUNG

historische Zeitmessung
Omega gilt wie Longines als Vorreiter bei der Entwicklung des Fotofinishs.

Bereits ab den 1940er Jahren wurde an besseren Methoden für die Zeitmessung gearbeitet, darunter auch das Fotofinish und die Umstellung auf elektronische Uhren, die noch genauer messen konnten und gegebenenfalls auch unabhängig von der Reaktionszeit der Kampfrichter waren.

Um diesen Reaktionsfehler zu minimieren, wurde die Zeit jedes Athleten im Schwimmen jeweils von drei Schiedsrichtern mit eigener Stoppuhr gemessen, aus deren Ergebnissen die Durchschnittszeit errechnet wurde. Als bei den Olympischen Spielen 1960 in Rom bei den 100 Meter Freistil jedoch der Australier John Devitt und der Amerikaner Lance Larson auf denselben Durchschnitt von 55,2 Sekunden kamen, hatte der Schiedsrichter die Qual der Wahl und verlieh die Goldmedaille an Devitt, den Rekord aber an Larson.

Mit dieser Kontroverse war nicht nur der Schwimmverband unzufrieden. Er wandte sich darum an den Partner Omega, der in den folgenden Jahren bis 1967 einen Vorläufer der noch heute verwendeten Touchpad-Technologie entwickelte, bei der die Schwimmer selbst Start und Stopp der Messung auslösen.

Omegascope
Das Omegascope

In dieser Zeit wurde auch das Fernsehen als Übertragungsmedium genutzt, und auch hier hat Omega mit dem Omegascope eine Innovation auf den Markt gebracht. Dieses Gerät konnte durch Bildüberlagerung grafische Elemente wie digitale Rundenzeiten in Echtzeit auf den Bildschirmen einblenden. «Heute ist das ganz normal, aber 1964 war das eine echte Revolution, die von Omega ausging», erklärt uns dazu Alain Zobrist, CEO von Omega Timing.

Alain Zobrist
Alain Zobrist, CEO von Omega Timing

Ein anderer bekannter Name in der Sportzeitmessung, der als Erfinder des Fotofinishs gilt, ist Longines. Aber auch Omega hat schon früh an der Entwicklung von ähnlichen Systemen gearbeitet. Bereits seit der Gründung von Swiss Timing im Jahr 1972 gab es Pläne für eine diesbezügliche Zusammenarbeit von Omega und Longines.

Das Verständnis dafür, was zwischen Start und Ziel passiert, wird sich massiv weiterentwickeln.

Nach der Übernahme durch die SMH (heute Swatch Group) wurden die Technologie-Abteilungen der früheren Konkurrenten und späteren Konzernschwestern im Jahr 1988 unter dem Namen Swiss Timing mit Sitz im schweizerischen Corgémont miteinander verschmolzen.

AKTUELLE ENTWICKLUNGEN

Bis heute werden die zugrunde liegenden Technologien weiterentwickelt. Neben einer immer weiter verbesserten Messgenauigkeit, die inzwischen durch eine sogenannte Mutteruhr synchronisiert wird, die gemeinsam mit der METAS entwickelt wurde und dementsprechend extrem präzise ist, geht es auch um neue Technologien beim Fotofinish und dem, was zwischen Startschuss und Ziellinie passiert.

Gerade bei der Kamera-Technologie hat Swiss Timing für die diesjährigen Olympischen Spiele in Paris einige Upgrades auf Lager. Bisher wurden beim Fotofinish auf der Ziellinie noch 10.000 Bilder pro Sekunde aufgenommen – diese Zahl verdreifacht der Dienstleister in Omegas Namen nun auf 30.000. Bereits seit 2018 scannen fortgeschrittene Systeme aus mehreren Kameras zudem Sportlerinnen und Sportler in Disziplinen wie etwa Beach Volleyball. Die gewonnenen Positionsdaten werden dabei in 3-D-Modelle übertragen und in Echtzeit ausgewertet.

Omega Foto Finish

So können beispielsweise die Menge der Pässe in Ballsportarten, die Reaktionszeit beim Aufschlag im Tennis oder die Anzahl der Schwimmzüge pro Bahn automatisiert gezählt und eingeblendet werden. Erstmals wird 2024 mit dieser Technologie beim Turmspringen die Distanz vom Kopf zum Sprungbrett gemessen, da ein sogenannter «unsafe dive» zu Punktabzügen führen kann, jedoch bisher durch Augenmaß der Kampfrichter abgeschätzt wurde.

Die Sportler profitieren von fairen Bedingungen für alle, und auch die Analysedaten sind interessant. So kann etwa bei der Auswertung der Daten erkannt werden, an welcher Stelle Zeit gewonnen oder verloren wurde, und das Training entsprechend angepasst werden. Und auch in der Zukunft wird vor allem an diesen Zwischenanalysen gearbeitet werden – auch unter Zuhilfenahme von Künstlicher Intelligenz (AI) und Augmented Reality (AR). «Das Verständnis dafür, was zwischen Start und Ziel passiert, wird sich massiv weiterentwickeln», berichtet uns Alain Zobrist. Doch nicht jede Neuentwicklung könne gleich eingesetzt werden, denn die Sportverbände entscheiden selbst, welche Technologien in den Disziplinen verwendet werden sollen. Die Umstellung der Regelwerke, so Zobrist, würde einige Zeit in Anspruch nehmen, sodass nicht jede Neuentwicklung direkt übernommen werde.

Wir machen alles vom Sammeln der Daten über deren Auswertung bis zur Visualisierung.

Omega Startblock

Die auffälligste Änderung der letzten Jahre war 2010 übrigens die Einführung einer elektronischen Starterpistole, die den alt modischen Revolver ersetzt hat. Nicht nur erspart man sich dadurch Unannehmlichkeiten mit dem Zoll, sondern gewinnt auch dadurch an Fairness. Die neue Starterpistole mit Omega-Branding ist nämlich nicht nur mit der Zeitmesskabine verbunden und startet automatisch die Zeitmessung, sondern löst auch einen Knall auf den am Startblock jedes Athleten befestigten Lautsprechern aus. Damit hört jeder Sportler den Schall genau zur gleichen Zeit und nicht früher oder später, je nach Entfernung zur Revolver-Mündung.

TV-ÜBERTRAGUNG

Bis heute sind die Einblendungen im Fernsehen nicht nur mit den Messgeräten von Omega bzw. Swiss Timing verbunden, sondern werden sogar durch deren Mitarbeiter gesteuert. So entstehen keine Diskrepanzen bei der Übermittlung. «Es gibt keine bessere Technologie für Broadcasting auf dem Markt», schildert Zobrist stolz und zeigt auf die unscheinbare Box in Omega-Rot. Auch die darauf laufende Software, das «Cockpit», sei eine Eigenentwicklung von Swiss Timing. «Wir machen alles vom Sammeln der Daten über deren Auswertung bis zur Visualisierung. Es ist die gesamte Kette», führt er aus.

EXTREMER AUFWAND

Um uneingeschränkte Fairness zu garantieren, betreibt Swiss Timing einen technologischen und logistischen Extremaufwand. Über 350 Tonnen Ausrüstung, 550 ausgebildete Zeitnehmer und 900 Freiwillige werden bei den Olympischen Spielen 2024 in Paris im Namen von Omega im Einsatz sein und die offiziellen Kampfrichter unterstützen. Technologien wie zum Beispiel Druckmessgeräte am Starterblock, Kamerasysteme und hochpräzise Computeruhren haben die mechanische Zeitmessung längst verdrängt. Traditionelle Werte wie Präzision, Innovationsgeist und Liebe zum Detail verbinden die klassische Uhrmacherei aber bis heute mit der Hightech-Sportzeitmessung.

Omega Glocke

Das letzte klassische Messinstrument, wenn man es so nennen kann, sei eine Glocke, jeweils angefertigt für jede Olympiade. Bei Sportarten mit mehreren Runden werde damit jeweils die letzte Runde eingeläutet. Traditionsbewusst komme diese von einem Glockenmacher aus dem Nachbardorf. «Und wir haben auch nicht vor, dieses letzte traditionelle Zeitmessgerät zu ersetzen», sagt der CEO.

OMEGA-SONDEREDITIONEN

Omega seamaster Rückseite

Für Sport- und Uhrenfreunde bringt Omega auch zu diesen Olympischen Spielen mehrere Sondereditionen auf den Markt, darunter eine stählerne Seamaster 300M mit Lünette aus Moonshine Gold, weißem Zifferblatt und einem Gehäuseboden mit dem Olympia-Logo und der Aufschrift Paris 2024. Die Taucheruhr ist als Master Chronometer zertifiziert und vorerst nur in den Boutiquen der Olympia-Gastgeberstadt erhältlich. Der Preis am Gliederband beträgt 9200 Euro.

Speedmaster Chronoscope

Darüber hinaus erhältlich sind Sondereditionen der Speedmaster Chronoscope mit 43 mm Durchmesser. Die Chronographen im Panda-Stil sind im Gehäuse aus Edelstahl mit Einlage aus Aluminium oder in Moonshine Gold mit Lünetteneinlage aus Keramik zu bekommen. Beide Versionen sind mit auffälligen Skalen für Telemeter, Puls und Tachymeter ausgestattet und arbeiten mit den Kalibern 9908 oder 9909, wobei Letzteres mit einer Unruhbrücke aus Sedna-Gold ausgerüstet ist. Bei beiden Varianten verstecken sich die Uhrwerke unter einem massiven Gehäuseboden mit Paris-2024-Logo. Die Stahlversion am Lederband ist ab 10.300 Euro erhältlich, die Version aus Gold dagegen kostet mindestens 35.700 Euro. Mit einem Gliederband wird es noch teurer.

Text: Tobias Schaefer

Bilder: Tobias Schaefer, Omega

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